Stadtgeschichte von Kiel

Die Gründung der Stadt Kiel beruht nicht auf einer vorzeitlichen Ansiedelung, sondern sie wurde planmäßig von Graf Adolf IV von Schauenburg zwischen 1233 und 1242 gegründet. Der Grund für die Besiedelung war die, nach des Grafens Meinung, für Handel strategisch überaus wertvolle Lage. Und so bekommt tom Kyle (=Stadt an der Förde) 1242 das Lübische Stadtrecht. Die Bewohner sind in der Mehrzahl Holsteiner, doch es wurden auch Siedler aus anderen Landstrichen abgeworben. An sie erinnern heute noch Straßennamen wie "Kehdenstraße" oder "Flämischestraße".

Der Gründervater zieht 1245 in das Franziskanerkloster, zeitgleich mit der Stadt entstanden, und lebt dort bis zu seinem Tod 1261. Bereits am Anfang der Stadtgeschichte ist die Nikolaikirche geweiht, die Franziskanerkirche (Backstein-"Stutzbasilika") wird ab 1245 gebaut. Die Grafen Johann I. und Gerhard I. stiften der Stadt ein Spital. Das Hezogtum Schleswig erlaubt 1260 den Kielern ohne Zoll zu handeln. Der Hafen wurde so zwar gefördert, aber er ist nicht dazu gedacht mit dem Lübecker Hafen zu konkurrieren. So blieb Kiel auch eher ein regionales Handelszentrum, an dem Baumaterial gehandelt wurde, und wurde nicht zu einem Fernhandelshafen. Hierzu fehlten das nötige Hinterland, die Landverbindng zu anderen Handelszentren, wie Hamburg. Auch gab es keine Binnenwasserstaßen, auf denen die Güter vom Landesinneren zum Hafen transportiert werden könnten.

Der Rat der Stadt lässt das erste Stadtbuch anlegen. Ab 1283 ist Kiel Mitglied der Hanse, aber dort spielt es eher eine untergeordnete Rolle. Ein Beispiel dafür ist, dass an einer Piratenjagd nur einmal ein Kielerschiff teilnahm, dass dann auch prompt versenkt wurde. Das Hafenrecht wird im regionalen Einzugsgebiet weiter ausgebaut und 1334 erstreckt es sich zusätzlich auf den Förde Teil unter schleswigscher Fahne zwischen Mündung Levensau und Bülk.
Die Mitgliedschaft im Hansebund bedeutet für Kiel die Teilnahme 1362 am verlustreichen Krieg gegen den dänischen König Waldemar IV. Das Gesundheitswesen der Stadt wird weiter voran getrieben und der Bürgermeister der Stadt stiftet 1454 ein Spital.

1460 unterzeichnen der neue Landesherr, König Christian I. von Dänemark, und der holsteinische Landadel den Ripener Vertrag im Kieler Schloss. Der neue Landesherr verpfändet Kiel auch sogleich, wegen seiner hohen Schulden, an die Stadt Lübeck 1469. Diese Verpfändung wird 1496 wieder aufgehoben. Die Jahre zuvor war Kiel nie bedeutendes Hansemitglied gewesen, aber 1518 wird die Stadt aus dem Bund ausgeschlossen (Verhansung).
Die Ideen der Reformation kommen 1526/1527 in die Stadt. Ein Jahr später endet das Bordesholmer Pfarreipatronat über die St. Nikolaikirche. 1534 zieht die Städtische Lateinschule in das, 1530 säkularisierte, Franziskanerkloster.

Die Reformation wird 1542 durch die schleswig-Holsteinische Kirchenordnung beendet. 1544 wird Herzog Adolf I. der Herrscher über Kiel, denn sein Bruder, der König, ordnet eine neue Landesteilung an.
In den nächsten Jahren wird viel gebaut, Stadtschule, Lehrerwohnungen, Klostergebäude, eine neue Kirche und ein Gasthaus, außerdem wird das Schloss erbaut (1562-1580)
1566 baut man das äußere Holstentor, welches die Stadt bis Ende des 17. Jahrhunderts begrenzte. Die Stadt wird mehrmals von Seuchen heimgesucht. 1575 wird ein neuer Stadtteil angelegt, die Vorstadt. Die Bürger der Stadt werden 1600 im ersten Bürgerbuch erfasst, Voraussetzung für das Bürgerbuch ist die Erwerbung der Bürgerrechte.
Auch Recht und Ordung wird zunehmend schriftlich fixiert, z.B durch die Policey-Ordnung 1604.
Die Zunftordnung fällt 1615 durch Herzog Adolf. Ein Hochwasser überschwemmt die Stadt 1625.
Im 30jährigen Krieg wird die Stadt mehrmals besetzt, sowohl von schwedischen, als auch von kaiserlichen Truppen. Letztendlich bleiben aber die kaiserlichen, als sie 1644 die schwedischen Truppen aus der Stadt trieben. Kaiser Ferdinand III. lässt die Zünfte wieder zu und erteilt der Stadt die Erlaubnis eine Universität zu bauen (1652), diese wird schließlich 1665 errichtet.

1677 beginnen die Bürger den Stadtrat stärker zu kontrollieren, vorallem in Finanzaspekten, dafür wird der Bürgerausschuss gegründet. Herzog Christian Albrecht setzt 1683 fest, wie sich der Stadtrat zu bilden hat. Von nun an gibt es für 100 Jahre 8 Ratsherren und einen Bürgermeister. Die Hälfte des Rates sollen Kaufleute oder Bürger ausmachen, Juristen sind von diesem Amt ausgeschlossen. Bis 1851 bleibt der Zutritt zum Rat auch Handwerkern verwehrt. In Kiel wird 1728 der spätere russische Zar geboren, sein Vater, Herzog Karl Friedrich, residiert von 1727-1739 im Kieler Schloss.
Die Fayence-Fabrik Sophienblatt 32-34 entsteht 1764. Die Universität zieht 1768 in ihren Neubau ein. Die aktuelle politische Lage verändert wieder einmal die Herrschaftsverhältnisse in Holstein und damit auch in Kiel. Denn durch einen Tauschverein wird das Gebiet wieder dänisch. Aus den Stadtbränden der Vergangenheit hat die Stadt gelernt und 1776 wird der Brandversicherungskataster angelegt. 1777 wird der Schleswig-Holstein Kanal gebaut, der in der Nähe von Kiel in die Ostsee mündet. Da Kiel zu Dänemark gehört, wird eine regelmäßig befahrene Schiffslinie nach Kopenhagen ab 1780 aufgebaut. Die Einwohnerzahl liegt bei 5740.

Das erste Kieler Wochenblatt (Kieler Wochenblatt zum Besten der Armen) erscheint 1793, zuvor wurde die Gesellschaft der freiwilligen Armenferunden gegründet. Diese Gesellschaft führt 1796 die Spar-und Leihkassen ein. Die Rechtsmäßigkeit wird 1798 vom König bestätigt.
Für die meisten Teile Deutschlands ist die Elbblockade und die Kontinentalsperre 1803-1808 ein Problem. Kiel bringt die von Napoleon angeordnete Wirtschaftsblockade gegen England eine Hochkonjunktur und der Handel blüht auf. Im Winter 1813/1814 zum Kampf gegen Napoleon, lagern knapp 8.000 Soldaten in der Stadt, die selbst nur 9.000 Einwohner zu diesem Zeitpunkt hat. Die Soldaten sind teils schwedisch, russisch oder deutsch. Die Überbelegung der Stadt hat ungeahnte Außmaße. 1814-1827 erhält die Hochkonjunkturphase einen Dämpfer und die wirtschaftliche Lage stagniert, zudem kommt, dass es immer schwieriger wird Kredite zu erhalten.

1819 fährt zum ersten Mal ein Dampfboot in den Kieler Gewässern. Auch wird 1822 eine Badeanstalt am Kieler Strand, Düstenbrook, eröffnet. Die Wasserleitung wird 1827 modernisiert. So tauscht man die hölzernen "Pfeifenbäume" gegen eiserne Leitungen aus.
Die Vorläufer der Schrebergärten, die Klein- oder Armengärten, werden ab 1830 von der öffentlichen Hand an privat Personen verpachtet. Die Verbindungsstraße zwischen Kiel und Altona, die Kunststraße in Schleswig Holstein, wird 1830-1832 gebaut. Zudem wird in der Zeit von 1832-1834 an einer Reform der Stadtverfassung gearbeitet. Das Ergebnis ist die Wahl der Abgeordneten, der ersten holsteinischen Ständeversammlung nach dem Vermögenszensus.

1835 hat die Stadt 11.600 Einwohner. Die Industriealisierung lässt auch in Kiel die Fabriken wie Pilze aus dem Boden schießen, so wird auf der Rosenwiese von Schweffel und Howaldt die Maschinenfabrik und die Eisengießerei gegründet. Nach den Wasserleitungen werden in Kiel die Straßen modernisiert, Grundlage dafür ist das Pflasterungsregulativ. Die nächsten Jahre sind wieder durch eine günstige Wirtschaftslage geprägt.
Die Jahrmärkte werden schrittweise durch Ladengeschäfte im Einzelhandel als Verteiler von Fabrikware ersetzt.

1842 die Stadt erhält die Damperhofländereien. Die Verbindung nach Altona wird durch die Eisenbahnstrecke 1844 verbessert. Das Steuersystem wird 1845 erneuert, anstatt der Armensteuer tritt eine Regelung gemäß des Einkommens. 1848-51 toben die schleswig-holsteinischen Befreiungskriege zwischen der Allianz Preußen-Österreich un den machthabenden Dänen. Kiel bleibt von den Kampfhandlungen verschont. Am 24.3.1848 wird auf dem Marktplatz die provisorische Regierung ausgerufen. 1850 wird das liberale Lokalstatut der Stadt verabschiedet. In der Maschinenfertigung bei Schweffel und Howaldt läuft das erste U-Boot vom Band, der Brandtaucher. Das neue Stadtgebiet von 1842, die Damperhofländereien, werden 1850-1854 planmäßig erschlossen.

Der Beschluss, dass dem Stadtrat kein Handwerker angehören darf, wird 1851 überholt.Auch gibt es den ersten privaten Kindergarten in der Stadt. Im Laufe der 1850er erhält die Stadt Anschluss an die Telegraphenlinie nach Kopenhagen. Die moderne Lebensweise verändert das Stadtbild auch in der Weise, dass die Schaufenster der Läden größer werden. So werden diese in einige Häuser im Nachhinein eingebaut. Die Stadt stellt auf Gasbeleuchtung 1855/56 um. Das Lokalstatut wird erneuert, der Neuentwurf erinnert stark an die Vorstellungen des Spätabsolutismus. 1864 leben in Kiel 18.770 Einwohner. Der Deutsch-Dänische Krieg um Schleswig und Holstein geht siegreich für die Deutschen aus und so endet die fast 600 jährige Herrschaft der Dänen, oder dänen- getreuen Herzöge in Kiel. 1865 wird Kiel durch ein Kommodium von Preußen und Österreicher regiert. Doch durch den Deutsch-Deutschen Krieg 1866 zwischen Preußen und Österreich setzt sich Preußen als alleiniger Machthaber in Holstein durch.

Die Preußen verlegen auch sogleich ihre Flottenstation von Danzig nach Kiel.
Das Wasserleitungssystem wird jetzt komplett mit eisernen Rohren ausgestattet (1866-1870).
1871 wird Kiel in den Rang des Reichskriegshafen erhoben. Die erste Kieler Gewerkschaft wird 1875 die "Metallarbeiter-Gewerkschaft" sein.

Die Ursprünge der Kieler Woche liegen in der Zeit um 1882. Ab nun gibt es immer häufiger den berühmten Segeltourn. Der Kaiser-Wilhelm-Kanal wird von 1887 an gebaut und 1895 fertiggestellt. Der neue Bahnhof wird 1899 für den Reiseverkehr freigegeben.
Um 1900 hat die Stadt die 100.000 Einwohner Marke überschritten und darf sich ab jetzt Großstadt nennen. 1901 wird der Stübben-Plan präsentiert, in ihm ist die Stadtplanung der nächsten zehn Jahre festgehalten. Zudem geht in der Arbeitervereinigung einiges voran, erst die Gründung des Kieler Arbeiterverbandes und dann der Arbeitertunrverein "Freie Turnerschaft an deer Kieler Förde". 1901 erhält die Stadt ein neues Stadttheater, 1911 ein neues Rathaus. Durch die schlechte Versorgungslage brechen im Mai 1916 Hungerunruhen in Kiel aus. Im März 1917 gehen die Unruhen und Streiks weiter, als sich die Versorgungslage nicht deutlich verbessert.

Die Revolutionärengedanken werden in die Stadt mit den Matrosen getragen, als am 1.11.1918 das III. Geschwader der dt. Hochseeflotte nach Kiel verlegt wird. Schon einen Tag später gibt es die erste revolutionäre Matrosenversammlung gegen die Monarchie. Am 4./5. November werden die ersten Räte gebildet und die revolutionären Unruhen breiten sich stetig aus. So wird Kiel mit seinem Matrosenaufstand einen wichtigen Impuls für die Novermberrevolution und die damit verbundene Absetzung der Monarchie geben. Der erste Weltkrieg hatte für Kiel verherende Folgen, zwar war nichts zerstört wurden, aber durch den Versailler Vertrag wurde die dt. Kriegsmariene stark dezimiert. Diese war haber in den letzten Jahren die Haupteinnahmequelle der Stadt gewesen. Rund 2/3 aller Kieler bezogen ihr Einkommen von der Marine oder den Werften, die für die Marine produzierten. Mit dem Wegfall der Kriegsmaschinerie in Kiel, fing der wirtschaftliche Abschwung an. Der Spartakus Bund, macht Februar 1919 einen Aufstand in Kiel und versucht die noch junge Republik in ein Rätesystem umzuwandeln. 1920 wird die Volkshochschule gegründet. 1921 findet die erste Nordische Messe statt.
Der Nordhafen wird 1922 angelegt. Seit 1925 gibt es die NSDAP in Kiel. 1927 wird die Flughafen GmbH gegründet.

Die Machtergreifung Hitler hat für Kiel mehrere Folgen. Erstens wird es, wie alles im Staat, gleichgeschaltet. Zweitens wird, durch die Aufrüstungspläne der Nazis, die Kriegsmaschinerie in Kiel wieder aufgenommen. Die Einwohner Zahl wächst rapide an 1939 waren es 274.000 und 1942 306.000, teils durch Eingemeindungen, teils durch den wirtschaftlichen Aufschwung.
Kiel ist bei der Nazi Olympiade 1936 der Schauplatz für den Segelwettbewerb.
Durch die zentrierte Kriegsproduktion und den Marinestandort, der Freihafen wurde von der Marine beschlagnahmt, wird Kiel schon sehr früh, sehr gezielt von den Aliierten bombardiert. Die ersten Bomben fallen im Juli 1940. Insgesamt wird Kiel 90 mal angegriffen, der schwerste Luftangriff war am 13.12.1943.
Am Ende des zweiten Weltkrieges sind 80% der Werftanlagen, 35% der Wohnungen und 33% der übrigen Gebäude komplett zerstört. Schwer beschädigt waren 40% der Wohnfläche und 48% der restlichen Bebauung. Die Infrastruktur war so gut wie nicht mehr vorhanden (Kanalisation, Strom, Gas, Wasser).
Am 4. Mai wird die Stadt an die Briten übergeben.
Die Jahre des Wiederaufbaus sind für Kiel besonders schwierig, denn die Militärregierung verbietet bis 1950 jegliche Nutzung der heruntergekommenen Werftgeländen. Zudem werden viele Werftanlagen zwischen 1949-1950 gesprengt.
1945 werden zuersteinmal das Stadttheater und die Universität wieder eröffnet.
Das Land Schleswig-Holstein wird 1946 zum "Land" und Kiel wird die Landeshauptstadt.
Im selben Jahr finden die ersten freien Wahlen seit der Machtergreifung für die Stadtvertretung statt.
Zum Wiederaufbau der Innenstadt wird der Ideenwettbewerb ins Leben gerufen.
Nicht alle Werften, die nicht gesprengt werden, sollen in Kiel verbleiben. Die Alliierten wenden ihr Recht auf Demontagen an, aber die Arbeiter der Holmag Werft treten 1947 in Streik als man ihr Werk demontieren will.

Der Seefischmarkt eröffnet im September 1948, die Kieler Woche findet wieder am 18.6.1949 statt.
Mit den 1950er Jahren beginnt wieder der wirtschaftliche Aufschwung, deshalb muss für die langsam wachsende Bevölkerung gebaut werden. Zum einem Schulen (erste Pavillion Schule Deutschlands 1950), Wohnraum (1963 Trabantenstadt in Mettenhof) und Kirchen, zum anderen wirtschaftliche Gebäude.
Ab 1961 fahren Fähren nach Oslo, Korsör und Nakskov (1964), Bagenkop (1965) und Göteborg (1967).
Der rapide Wachstum hat aber auch enorme Bausünden zur Folge. So findet man in der Altstadt/Innenstadt kaum malerische Gässchen, oder liebevoll wiederaufgebaute Häuser. Eher funktionale Betonbauten.
Durch den Segelwettbewerb der olympischen Spiele 1972 bekommt Kiel einen Autobahnanschluss und einen neuen Hafen.
1992 feiert Kiel sein 750jähriges Bestehen. Und schließt neue Partnerstadtverträge ab (Tallinn, Königsberg, Tilsit ). Zudem fährt jetzt eine Fährlinie nach Memel und Riga.
Schleswig-Holsteins erste ökologische Großsiedlung entsteht 1993 in Kiel Hassee.
Ab 1993 gibt es auch eine Fährverbindung nach Königsberg.
1995 wandelt man den Militärflughafen Holtenau zu einem zivilen Flughafen um. Auch halten im Kieler Bahnhof ab nun ICE Züge. Die Fährverbindung nach St. Petersburg wird 1996 aufgenommen.
1997 tritt eine neue Kommunalverfassung in Kraft und man feiert 300 Jahre Meeresforschung in Kiel.
Ab 1998 erweitert sich die Stadt um Meimersdorf.
Auch findet zum ersten Mal die in-water-boot Bootsmesse statt.
Die Stadt verkauft 1999 die Wohnungsbaugesellschaft, zudem stellt die Hagenuk GmbH einen Insolvenzvertrag.
Ein Relikt aus dem 2. Weltkrieg der U-Boot Bunker "Kilian" wird 2000 schließlich gesprengt.